Franziskanerkloster Cres

Der Franziskanerkomplex liegt direkt am eigentlichen Altstadtkern. Wie üblich, befand sich auch dieses Kloster außerhalb der Stadtmauern, aber durch die Ausbreitung der Stadt fand es sich eines Tages im weiteren Stadtzentrum wieder. Der Klosterkomplex besteht aus der Kirche des hl. Franz von Assisi, mit Glockenturm, zwei Kreuzgängen, dem Klostergebäude, sowie den Gärten und Olivenhainen. Einst erstreckten sich die Klosterländereien bis hin zum Meeresufer. Heute ist an dieser Stelle die Bootswerft, aber das alte Tor in der Mauer, an der Straße, zeugt noch vom einstigen Klosterbesitz.
Die Kirch des hl. Franz von Assisi aus dem 13. Jahrhundert befindet sich direkt an der Straße. Neben der Kirche steht einer der drei Creser Glockentürme aus dem 17. Jahrhundert. Der Glockenturm ist erkennbar anhand seiner Steinköpft, die die Winde darstellen: Sie sind an den Himmelsrichtungen angebracht, von denen die jeweiligen Winde wehen, und jeder Kopf hat einen anderen Gesichtsausdruck, der die Bedeutung dieses Windes darstellt. Der milde Gesichtsausdruck symbolisiert Wind, der strenge Gesichtsausdruck symbolisiert den scharfen Wind. In diese gotische Kirche gelangt man durch das Renaissance-Portal, über dem eine Lünette in Form einer Musche und das Franziskanerwappen hängen. In der Kirche gibt es schön geschnitzte Holzbänke für den Chor aus dem 15. Jahrhundert.
Unter den zwei Kreuzgängen gibt es je eine große Zisterne, einen Wasserspeicher, und die Brunnen in der Mitte dienten für das Herausziehen des Wassers mit dem Eimer. In die Zisternen fließt das Regenwasser, das von den Dächern des Klosterkomplexes gesammelt wurde, deren große Flächen einen großen Wasserzufluss ermöglichen. Der ältere Kreuzgang ist etwas kleiner, und der neue, der im 16. Jahrhundert gebaut wurde und direkt neben der Kirche des hl. Franz von Assisi steht - verwandelt sich im Sommer in eine Musikbühne im Freien. Neben dem neuen Kreuzgang befindet sich auch das Klostermuseum, in dem sakrale Kunstwerke, seidene Messgewänder und Ritualsgegenstände aufbewahrt werden. Unter den sehr gut erhaltenen Holzskulpturen aus dem 15. und 17. Jahrhundert gibt es auch eine unterzeichnete Holzskulptur auf der Insel "Madonna mit Kind", die ungefähr im Jahr 1470 Andrea da Murano ausgearbeitet hat. Im Museum wird auch ein Exemplar des so genannten Messbuch von Senj (volle Bezeichnung „Messbuch nach dem Gesetz des römischen Hofes"), ein 1494 in der glagolitischen Druckerei in Senj gedruckte Inkunabel, aufbewahrt. Das Messbuch von Senj ist gleichzeitig auch das erste Buch, das in Europa in einer Sprache gedruckt wurde, die nicht die lateinische war (sondern in Altkroatisch), und in einer Schrift, die nicht die lateinische (sondern die glagolitische) war. Es sind nur drei Exemplare bis in die heutige Zeit erhalten geblieben. Sie werden in Budapest, Sankt Petersburg und Cres aufbewahrt.
Die Klostergebäude sind teils für die Nonnen (Klausur) bestimmt, und ein Teil wurde in Unterkünfte umgebaut.